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LOK Report – News von Mittwoch, 29.07.15

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TOP-Themen
Willkommen beim LOK Report

Deutsch Bahn zeigt Gewinnein-
bruch trotz Umsatzsteigerung

Absatzlinie
EVG sieht erste Veränderungen
nach Unfall in Mannheim

Absatzlinie
Abellio-Züge in Mitteldeutschland
rollen ab Oktober

Absatzlinie
Niedersachsen unterstützt nicht-
bundeseigene Eisenbahnprojekte

Absatzlinie
Kommt ein Eisenbahntunnel
unter dem Stilfser Joch?

Willkommen beim LOK Report
Foto links: Gunter Mackinger

Verkehr, Verkehrspolitik, Industrie

Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bahn

RechteckDeutsch Bahn: Dramatischer Gewinneinbruch trotz Umsatzsteigerung


Fotos Deutsche Bahn/Oliver Lang.

Mit einem umfassenden Umbau des Konzerns will die Deutsche Bahn zukunftsfest werden. "Die DB wird schlanker, schneller, effizienter und noch kundenorientierter sein. Eine straffere Führung, schlankere Strukturen und mehr Fokus auf den Kunden sollen uns in die Lage versetzen, die sich rasant ändernden Herausforderungen in der Welt der Mobilität und Logistik erfolgreich zu meistern", stellte DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Rüdiger Grube die Neuausrichtung des Unternehmens anlässlich der Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz 2015 vor.
Der Aufsichtsrat der DB AG hatte am Vortag das Sechs-Punkte-Programm zum Konzernumbau des Unternehmens gebilligt. Danach wird erstens der Konzernvorstand von acht auf sechs Mitglieder verkleinert. Die vor Jahren mit Blick auf einen möglichen Börsengang geschaffene DB Mobility Logistics AG soll zweitens mit der Konzernholding DB AG zusammengeführt werden. Dies reduziert Doppelstrukturen und aufwändige Abstimmungen.
Das bisherige Ressort Technik und Umwelt wird drittens neu zugeordnet. Die Bereiche Technik, DB Systemtechnik sowie das Sicherheits- und Qualitätsmanagement gehen zum Ressort "Infrastruktur, Dienstleistungen und Technik"; die Bereiche Beschaffung und IT (CIO) zum Finanzressort; der Bereich Umwelt zum Ressort "Wirtschaft, Recht und Regulierung" und die Zuständigkeit für Nachhaltigkeit zum Vorstandsvorsitzenden.
Mit der Umorganisation wird viertens die Geschäftsverteilung im Vorstand neu geregelt. Ein zentraler Punkt ist hierbei, dass die Aktivitäten der integrierten deutschen Eisenbahn stärker als bisher gebündelt werden: Im Ressort "Verkehr und Transport" sind künftig DB Fernverkehr, DB Regio, DB Vertrieb und – das ist neu – DB Schenker Rail vereint. Dr. Grube: "Das bedeutet noch mehr Konzentration auf die Eisenbahn in unserem Heimatland, die zu Recht im Blickpunkt der deutschen Öffentlichkeit steht."
Weitere Punkte: Die Servicefunktionen und internen Dienstleistungen im Konzern werden fünftens neu geordnet und künftig in einem DB Global Service Center mit Fokus auf Transparenz, Kosten und Effizienz gebündelt. Und schließlich sechstens wird eine Option für eine Teilprivatisierung von DB Arriva und DB Schenker Logistics eröffnet, um die strategische Entwicklung zu stärken und zusätzliches Wachstum zu finanzieren.
Der DB-Vorstandsvorsitzende kündigte an: "Am 1. August fällt der Startschuss für den Wandel. Die Deutsche Bahn modernisiert ihre Strukturen, die Strategie DB 2020 bleibt." Mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen sind gegenüber der bisherigen Planung weitere Einsparungen von über 100 Millionen Euro in der Konzernzentrale verbunden, so dass zusammen mit bereits beschlossenen Maßnahmen bis 2020 über 700 Millionen Euro allein in der Zentrale und zentralen Funktionen eingespart werden. Zu diesen effizienzsteigernden Maßnahmen gehören auch eine weitere Verschlankung der Gremien- und Berichtswege, eine Überprüfung des Immobilienportfolios sowie der Beschluss, Zweitbüros für Konzernvorstände aufzulösen.
In einem nächsten Schritt werden dann Handlungsfelder auf Ebene der Geschäftsfelder adressiert und zusätzliche Potenziale für übergreifende Synergien erarbeitet. Diese Maßnahmen werden im zweiten Halbjahr erarbeitet und dem Aufsichtsrat zusammen mit der mittelfristigen Planung bis 2020 in seiner Sitzung am 16. Dezember 2015 vorgestellt.
Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen für das erste Halbjahr 2015 wies Dr. Grube darauf hin, dass der monatelange Streik der GDL und mehrere Unwetter das Ergebnis der Deutschen Bahn im ersten Halbjahr 2015 deutlich negativ beeinflusst hätten. "Die Streiks haben unseren Kunden viel Geduld abverlangt, unseren Mitarbeitern jede Menge Kraft gekostet und dem Unternehmen wichtige Einnahmen. Der wirtschaftliche Schaden in den Jahren 2014 und 2015 beziffert sich auf insgesamt rund 500 Millionen Euro, die uns in unserem Ergebnis fehlen", betonte Dr. Grube.
Der Umsatz im ersten Halbjahr konnte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent (plus 266 Millionen Euro) auf 20 Milliarden Euro gesteigert werden, war aber auch durch positive Währungskurseffekte beeinflusst. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT bereinigt) ging um 18,2 Prozent (minus 198 Millionen Euro) auf 890 Millionen Euro zurück. "Ohne die streikbedingten Effekte in Höhe von 252 Millionen Euro wären wir auch beim EBIT leicht oberhalb des Vorjahres gewesen; das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir strukturelle Herausforderungen haben, die wir mit dem jetzt angestoßenen Wandel entschlossen angehen", fügte Dr. Grube hinzu.
Finanzvorstand Dr. Richard Lutz: "Mit dem Ergebnis des ersten Halbjahrs können wir nicht zufrieden sein. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir mit einem von Streiks unbelasteten zweiten Halbjahr noch ein operatives Jahresergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von zwei Milliarden Euro erreichen können. Mit den jetzt eingeleiteten und noch geplanten Maßnahmen wollen wir Spielräume schaffen, um geplante Investitionen, Wachstum und Digitalisierungsoffensiven solide finanzieren zu können."
Streik und Unwetter sorgten auch dafür, dass der Personenverkehr seine Angebote nicht in der geplanten Form fahren konnte. So ging die Zahl der Reisenden in den Zügen der DB im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent (minus 16 Millionen) auf 985 Millionen zurück. Dabei war der Rückgang im Fernverkehr (minus 1,2 Prozent) geringer als im Nahverkehr (minus 2,8 Prozent).
Erfolgreicher hat sich die Auslandstochter DB Arriva entwickelt. Der Gesamtumsatz erhöhte sich im 1. Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 165 Millionen Euro (plus 7,5 Prozent) auf knapp 2,4 Milliarden Euro. Die Verkehrsleistung erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 4,3 Milliarden Personenkilometer (Pkm). Das bereinigte EBIT ging leicht um 3 Millionen (minus 2,9 Prozent) auf 101 Millionen Euro zurück.
Streik und Unwetter machten auch dem Schienengüterverkehr zu schaffen. So ging die Leistung im ersten Halbjahr um 6 Prozent von 52,0 Milliarden Tonnenkilometer (tkm) auf 48,9 Milliarden tkm zurück. Dr. Alexander Hedderich, Vorstandsvorsitzender der DB Schenker Rail AG, wird sein Mandat zum 31. August 2015 niederlegen und den DB Konzern verlassen.
Wachstum gab es im ersten Halbjahr in der Logistik bei DB Schenker. So stieg die Zahl der Sendungen im Landverkehr im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei der Luftfracht gab es ein Plus von 1,1 Prozent und bei der Kontraktlogistik sogar ein Plus von 16,6 Prozent. Einzig die Seefracht vermeldete ein Minus von 3,5 Prozent im ersten Halbjahr. Neuer Vorstandsvorsitzender der Schenker AG wird Jochen Thewes, bisher CEO DB Schenker APAC. Er übernimmt damit die Leitung des Geschäftsfeldes DB Schenker Logistics zum 1. September 2015
(Pressemeldung Deutsche Bahn, 29.07.15).

RechteckBahn für Alle: Warnung vor Investoreneinstieg durch die Hintertür schlägt Wellen
Bei der gestrigen Sitzung des DB-Aufsichtsrates scheiterten Bahnchef Grube und Finanzvorstand Lutz vorläufig mit dem Vorhaben, private Investoren über eine Beteiligung an DB Arriva und DB Schenker Logistics in das Unternehmen zu holen. Der Vorstand soll nun ein Konzept für den Konzernumbau für die Sitzung des Aufsichtsrates am 16. Dezember vorlegen. Außerdem muss er den Verkehrsausschuss des Bundestages – derzeit in der parlamentarischen Sommerpause - informieren.
Das Bündnis Bahn für Alle hatte im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung vor einem "Investoren-einstieg durch die Hintertür" gewarnt. "Es war notwendig, kräftig auf die Tonne zu hauen", sagt Monika Lege, Verkehrsreferentin der Umweltorganisation Robin Wood und Mitgründerin von Bündnis Bahn für Alle. "Die neue Zuordnung der beiden internationalen Logistiktöchter Arriva und Schenker Logistics zu Finanzvorstand Lutz und Gerüchte über einen geplanten prozentualen Verkauf an Dritte haben sich bewahrheitet."
In einem Bahn für Alle vorliegendem Brief an die Mitarbeiter_innen ebenfalls von gestern wird Grube deutlicher: Der Aufsichtsrat habe die "Schaffung von Teilprivatisierungsoptionen für DB Arriva und DB Schenker Logistics" gebilligt. Der "Börsengang" sei "zwar erstmal vom Tisch, nicht aber eine Teilprivatisierung, um frisches Kapital von außen in das Unternehmen zu holen". Und weiter: "Wichtig: Wir reden von einer Teil-Privatisierung (sic) und der Hereinnahme von Minderheiten, nicht von einem vollständigen Verkauf."
"Um frisches Geld für die Eisenbahn in Deutschland reinzuholen, könnte die DB einfach ihre Busse, Laster, Flugzeuge und Schiffe auf der ganzen Welt verkaufen und das Geld in den inländischen Schienenverkehr stecken", so Lege. "Aber Grube will ausdrücklich über Arriva und Schenker Logistics den hundertprozentigen Bundesbesitz der DB-Aktien aufbrechen und Teile des Konzerns privatisieren."
Angebote hat der DB-Vorstand offensichtlich auch schon eingeholt. "Finanzvorstand Lutz tat schon 2011 in der Börsenzeitung kund, Fonds in Tokio, in Peking, Hongkong und Singapur mit einer Roadshow zu besuchen", sagt Bahnexperte Winfried Wolf für Bahn für Alle. "Trotz des gescheiterten Börsenganges 2008 hat das Bahnmanagement anscheinend die politische Rückendeckung der Bundesregierung für eine materielle Privatisierung der DB." (Pressemeldung Bahn für Alle, ROBIN WOOD, Bürgerbahn statt Börsenbahn, 29.07.15).

RechteckBündnis 90/Die Grünen: Da hilft auch kein Konzernumbau
Zur vorgelegten Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn erklärt Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik:
Die dramatischen Gewinneinbrüche der DB sind nicht allein durch Streiks zu erklären, wie dies der DB-Vorstandsvorsitzende Grube heute in der Pressekonferenz versucht hat. Die vorgelegten Halbjahreszahlen der DB zeigen vielmehr die ganze Misere auf, in der sich die DB nicht erst seit kurzem befindet. Das Kerngeschäft, die Beförderungen von Personen und Gütern auf der Schiene, läuft nicht gut. Wie bereits in den Jahren zuvor sehen demensprechend auch die Zahlen nicht gut aus. Und es ist höchst fraglich, ob die DB die erst Anfang dieses Jahres vereinbarte Dividende an den Bund zahlen kann. In Folge stünde dann weniger Geld für die dringend benötigten Investitionen in die Schieneninfrastruktur zur Verfügung.
Bahnchef Grube war zu lange nur Kommunikator und hat versäumt die Fehler, seines Vorgängers Hartmut Mehdorn zu korrigieren. Warum geht die Bahn im Fernverkehr erst jetzt in die Offensive, wo der Fernbusmarkt boomt? Wo ist die Strategie im Güterverkehr, der immer mehr gegen die Straße verliert? Wo bleibt die längst überfällige Pünktlichkeitsstrategie im Personenverkehr? Statt die größten Baustellen anzupacken, ist über Jahre nichts passiert.
Mit dem angekündigten Konzernumbau und der Neuverteilung der Vorstandsposten versucht Grube so von den eigentlichen Problemen nur abzulenken. Straffere Strukturen und mehr Effizienz zu schaffen, ist immer gut, doch ein solches Signal wird angesichts sinkender Gewinne auch erwartet. Ein Rettungsprogramm für die Deutsche Bahn ist es nicht (Pressemeldung Bündnis 90/Die Grünen, 29.07.15).

Verkehrspolitik im Bund

RechteckDBV: Bundesrat befürwortet steuerliche Anreize zur Anschaffung von Elektroautos
In der Bundesratssitzung haben die Länder die Bundesregierung aufgefordert, die Einführung einer Umweltprämie zu prüfen. Sie soll bis zu 5.000 Euro betragen. DBV versteht nicht, warum es immer nur für die Anschaffung von Autos Prämien geben soll. Eine Belohnung sollten diejenigen bekommen, die sich bereits heute umweltverträglich und ressourcenschonend verhalten.
Die, die möglichst auf eine Autonutzung verzichten, sollten belohnt werden. Der beste Umweltschutz ist die Vermeidung von Verkehren. Eine steuerliche Besserstellung des Umweltverbundes (Fuß-, Radverkehr, Bahn- und Busnutzung) wäre das Gebot der Stunde. "Eine Umweltprämie, die ihren Namen wirklich verdient, sollten nur Menschen bekommen, die ihre Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen" so kommentiert Frank Petrovsky, Vorstandsmitglied für den Umweltschutz, die Haltung des Deutschen Bahnkunden-Verbandes (Pressemeldung Deutscher Bahnkunden-Verband, 29.07.15).

RechteckEVG: Erste Veränderungen nach Unfall in Mannheim
Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hat ein Jahr nach dem Eisenbahnunfall von Mannheim auf erste Erfolge verwiesen, die die EVG erreichen konnte. Zugleich kritisierte er das Desinteresse maßgeblich politisch Verantwort-licher, dringend notwendige Veränderungen anzugehen.
So habe die EVG darauf gedrungen, dass Fahr- und Ruhezeiten künftig für alle Triebfahr-zeugführer gelten, die auf dem deutschen Schienennetz unterwegs sind - auch für die selbstständigen Lokführer, die bislang keiner gesetzlichen Vorschrift unterlagen. Im Entwurf der Elften Änderungsverordnung eisenbahnrechtlicher Vorschriften, die in Kürze erlassen werden soll, sei eine solche Regelung erhalten, machte Kirchner deutlich.
Zudem forderte der EVG-Vorsitzende deutlich kürzere Fahrzeiten. Für LKW- und Busfahrer schreibe eine europäische Verordnung Ruhezeiten nach 4:30 Stunden ununterbrochener Fahrt vor, für Lokführer würden solche Pausen - entsprechend des Arbeitszeitgesetzes - erst nach 6 Stunden Fahrzeit gelten. "Hier ist eine Anpassung nötig, vor allem aber müssen die Regelungen endlich auch regelmäßig kontrolliert werden", so Kirchner. Dies habe insbesondere der Unfall von Mannheim deutlich gemacht.
"Nach uns vorliegenden Informationen hat der Lokführer, der in Mannheim den Unfall verursacht hat, die Mindestruhezeit von 9 Stunden nicht eingehalten", stellte Alexander Kirchner fest. Unklare Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden, vor allem aber das Fehlen eines Erfassungsgerätes auf den Loks, lade zu Missbrauch geradezu ein, machte der EVG-Vorsitzende deutlich.
Die Forderung der EVG, alle Triebfahrzeuge auf dem deutschen Eisenbahnnetz bereits ab 2017 mit entsprechenden Erfassungsgeräten auszustatten, fände beim Gesetzgeber keinen Widerhall. Auch die Eisenbahnunternehmen verweigerten sich und argumentierten mit zusätzlichen Kosten. Ebenso würde die Forderung nach einer "elektronischen Fahrerkarte", auf der Lenk- und Ruhezeiten sowie der Nachweis von entsprechenden Befähigungen erfasst werden, von der Politik nicht aufgegriffen.
"Das ist fahrlässig", kritisierte Kirchner. Bei Bussen und Lastwagen sei dies seit Jahrzehnten Standard. Schon die unregelmäßigen Überprüfungen des Güterverkehrs auf den Autobahnen zeigten, wie notwendig solche Kontrollen sind, um den schwarzen Schafen Einhalt zu gebieten. "Diese schwarzen Schafe haben wir, wie sich wieder einmal gezeigt hat, auch auf der Schiene, doch hierfür interessiert sich offensichtlich niemand", stellte der EVG-Vorsitzende fest.
In diesem Zusammenhang kritisierte Kirchner den zunehmenden Einsatz von Leiharbeitern als Lokführer sowie den Einsatz von selbstständigen Lokführern. "Wir halten diese Entwick-lung für fatal", machte der EVG-Vorsitzende deutlich. "Jeder Eisenbahner, der betriebliche Aufgaben wahrnimmt, muss in dem jeweiligen Unternehmen beschäftigt sein - und das ist dann auch für die entsprechende Ausbildung und Streckenkenntnis verantwortlich", so Kirchner. Wichtig seien dabei insbesondere einheitliche Ausbildungsstandards für Lokführer, an denen es weiterhin fehle.
Der Unfallverursacher von Mannheim sei als Leiharbeiter eingesetzt gewesen und habe ganz offensichtlich nicht gewusst, welche Signale im Bahnhof ihm gegolten hätten. "Wer musste Befähigung und Streckenkenntnis im Vorfeld kontrollieren und gewährleisten", fragte Kirchner? Der Auftraggeber, die Leiharbeitsfirma oder allein der Lokführer? Die Frage der Verantwortung habe im Wettbewerb offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle gespielt.
"Für uns als EVG ist deshalb eines ganz klar, machte Kirchner deutlich: "Es muss Schluss sein mit Lohn- und Sozialdumping durch Leiharbeit und Werkverträge. Wir wollen die Rückkehr zu normalen Arbeitsverhältnissen in Vollzeit, unbefristet und tariflich geregelt", so der EVG-Vorsitzende. Der Eisenbahnunfall in Mannheim zeige die Richtigkeit und Notwendigkeit einer solchen Forderung.
"Um die hohen Sicherheitsstandards im Eisenbahnverkehr auf Dauer zu gewährleisten, muss die Politik endlich aktiv werden. "Heue sorgen die fest angestellten, gut ausgebildeten und erfahrenen Eisenbahnerinnen und Eisenbahner für einen sicheren Betrieb. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Sicherheitsniveau durch die Auflösung geregelter Arbeitsverhältnisse und Ausbildungsgänge aufgeweicht wird", machte der EVG-Vorsitzende deutlich. "Das Argument, dass bislang kaum etwas passiert sei, lassen wir nicht gelten. Wir wollen, dass auch in Zukunft nichts passieren wird", so Kirchner
Am 1. August 2014 war in Mannheimer Bahnhof ein Güterzug mit einem IC kollidiert. Die näheren Umstände sind von der Staatsanwaltschaft bislang noch nicht aufgeklärt worden. Die EVG hatte gleich nach dem Unfall den "Wildwuchs" im Eisenbahnbereich kritisiert. So sei das niederländische Unternehmen ERS Tochter einer britischen Eisenbahngesellschaft, die Lok des unfallverursachenden Zuges österreichischer Herkunft und der Lokführer bei einem Personaldienstleister beschäftigt.
Kircher hatte, unter Bezug auf die Vielzahl der Akteure, schon damals kritisiert: "Der politisch gewollte Wettbewerb nimmt mittlerweile beängstigende Formen an". Diese Feststellung hat am Jahrestag des Unglücks nichts an Bedeutung verloren (Pressemeldung Bündnis 90/Die Grünen, 29.07.15).

Industrie

RechteckAlstom: Beteiligung an Zugeständnissen, die GE der EU-Kommission vorlegt
Seit der außerordentlichen Hauptversammlung am 19. Dezember 2014 und der Genehmigung der Akquisition der Energieaktivitäten von Alstom durch General Electric, haben beide Unternehmen mit den Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt zusammengearbeitet, um sich Wettbewerbs- und Regulierungszustimmungen zu sichern. Genehmigungen wurden bereits in 15 Ländern erteilt.
Die Europäische Kommission hat die Auswirkungen des Geschäfts auf den Wettbewerb untersucht und Bedenken hinsichtlich eines möglichen Rückgangs beim Wettbewerb im Bereich der Gasturbinen geäußert, der sich aus dem Geschäft ergeben könnte. General Electric und Alstom sind überzeugt, dass das Geschäft wettbewerbsfördernd ist. Nichtsdestotrotz sind beide Unternehmen übereingekommen, Zugeständnisse zu untersuchen, um eine Genehmigung zu sichern. Der Aufsichtsrat von Alstom hat einstimmig beschlossen, dass der Konzern General Electric beim Erstellen eines umfangreichen Angebots an Zugeständnissen unterstützt, das die Bedenken der Kommission ausräumen soll. Mit einer Reduzierung des ursprünglichen Kaufpreises von 12,35 Milliarden Euro um 300 Millionen Euro würde die Alstom Gruppe finanziell zu einem solchen Paket an Zugeständnissen beitragen. Hinsichtlich der Transaktion setzen die Parteien ihre konstruktiven Diskussionen mit der Kommission fort.
Beide Parteien werden weiterhin den Zustimmungsprozess mit dem Ziel verfolgen, die Transaktion erfolgreich und so schnell wie möglich in den kommenden Monaten zu beenden. Alstom geht davon aus, dass sofort nach der erfolgreichen Beendigung des Geschäfts eine Aktionärshauptversammlung einberufen wird, um über ein öffentliches Aktienrückkaufangebot (OPRA) abzustimmen. Der finale Ausschüttungsbetrag wird in einer indikativen Bandbreite festgelegt, die entsprechend dieser Anpassung jetzt zwischen 3,2 und 3,7 Milliarden Euro liegen wird
(Pressemeldung Alstom, 29.07.15).

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Aus den Ländern

RechteckBayern: Trafo-Brand in IC-Lok legte Bahnverkehr rund um München lahm
Über zwei Stunden war der Bahnverkehr zwischen München Hauptbahnhof und Pasing am Montagmorgen unterbrochen. In der Lokomotive des Intercity-Zuges 2300 (München – Berlin) hatte ein Transformator Feuer gefangen. Der Großeinsatz der Feuerwehr führte zur Sperrung sämtlicher Gleise in der Nähe der Donnersberger Brücke. Die Fahrgäste im IC kamen nicht zu Schaden. Weder S-Bahn- noch Regional- und Fernverkehrszüge konnten von und nach München Hauptbahnhof fahren, wodurch viele tausend Reisende von der Störung betroffen waren. Erst im Laufe des späteren Vormittags konnte die DB die Gleise nach und nach wieder zur Verfügung stellen.
Gegen 7.30 Uhr hatte der Lokführer des IC 2300 eine Rauchentwicklung am Trafo der Lok gemeldet. Um die herbeigerufenen Einsatzkräfte der Feuerwehr zu schützen, sperrte die DB um 7.50 Uhr zwischen Donnersberger und Friedenheimer Brücke alle zehn Gleise. Zwischen München Hauptbahnhof und Pasing war kein Zugverkehr mehr möglich. S-Bahnen und Regionalzüge mussten vorzeitig wenden, unter anderem am Ostbahnhof und in Pasing oder bereits weiter außerhalb im Münchner S-Bahn-Netz. Insbesondere der Bahnhof München-Pasing war schnell überlastet.
Nach dem Ende des Feuerwehreinsatzes konnte die DB kurz nach zehn Uhr den Zugverkehr wieder schrittweise aufnehmen. Als erstes fuhren die S-Bahnen und die Züge in Richtung Ingolstadt und Regensburg. Als letztes – nachdem die beschädigte Lok abgeschleppt war – konnten um 12.05 Uhr auch die Züge auf den Gleisen Richtung Augsburg und Lindau wieder fahren.
"Wir bedauern, dass so viele Reisende große Verspätungen in Kauf nehmen mussten. Für den Zugverkehr rund um München war die Sperrung am denkbar schlechtesten Ort. Wir haben dort keine Art von Bypass – und auch die städtischen Verkehrsmittel und Straßen waren leider schnell überlastet", so Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Bayern.
Mehr als 200 Züge konnten heute Morgen in dem gesperrten Abschnitt zwischen München Hauptbahnhof und Pasing nicht verkehren. Dies wirkte sich auf den gesamten Bahnverkehr in Südbayern aus. Reisende mussten noch bis weit in die Nachmittagsstunden mit Verspätungen rechnen.
Zusätzlich sorgte eine Oberleitungsstörung am Ostbahnhof von 10.50 bis 11.30 Uhr für Behinderungen im Fern- und Regionalverkehr. Die S-Bahn war davon nicht betroffen.
Für die 230 Reisenden des IC 2300 bestand durch den Trafo-Brand keine Gefahr. Sie konnten während des Feuerwehreinsatzes im Zug ausharren. Die Waggons wurden von der beschädigten Lok abgekoppelt und zum Hauptbahnhof zurückgezogen. Dort wurden die Fahrgäste von DB-Mitarbeitern betreut und konnten mit anderen Zügen ihre Reise fortsetzen. Die beschädigte Lokomotive ist seit 1988 im IC-Verkehr im Einsatz und legt im Jahresdurchschnitt 250.000 Kilometer zurück. Sie gehört zur Baureihe 120, die seit vielen Jahren zuverlässig Fernverkehrszüge ans Ziel bringt.
Die Lok wird nun von der DB untersucht, die Ursache des Brandes wird noch ermittelt (Pressemeldung Deutsche Bahn, 29.07.15).

RechteckNiedersachsen: 9,3 Millionen Euro für nichtbundeseigene Eisenbahn-Projekte
Verkehrsminister Olaf Lies hat am dienstag erstmals ein Förderprogramm für nichtbundeseigene Eisenbahnen (NE) in Höhe von 9,3 Millionen Euro bewilligt. Damit können zwölf Projektanträge von Privatbahnunternehmen realisiert werden. Die Förderung löst ein Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 23,3 Mio. Euro für die Schieneninfrastruktur in Niedersachsen aus.
Verkehrsminister Olaf Lies sagte dazu: "Die Niedersächsische Landesregierung setzt sich seit langem auch für den Erhalt und den Ausbau des Privatbahnnetzes in Niedersachsen ein. Mit dieser Förderung besteht die Chance, das vorhandene Eisenbahnnetz noch effizienter und attraktiver zu machen. Bereits jetzt beginnen oder enden etwa 70 Prozent aller Schienengütertransporte auf der Infrastruktur eines Privatbahnunternehmens. Niedersachsen leistet mit dieser Förderung einen wichtigen Beitrag dazu, die Fläche weiterhin durch die Eisenbahn zu erschließen. Damit ist die Chance auf eine nachhaltige Verlagerung von Gütertransporten auf die Schienen verbunden. Gleichzeitig erhöht ein vorhandener Schienenanschluss die Attraktivität der betroffenen Gemeinden als Wirtschaftsstandort."
Mehr als 30 nicht zum Konzern der Deutschen Bahn AG gehörende nichtbundeseigene Eisenbahnen (NE) betreiben mit einem Netz von rund 1.100 km Länge etwa 25 Prozent der öffentlichen Eisenbahninfrastruktur in Niedersachsen. Die Förderung wird durch das Gesetz über Zuwendungen des Landes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (Niedersächsisches Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz - NGVFG) möglich (Pressemeldung Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, 29.07.15).

RechteckSachsen-Anhalt: Abellio-Züge rollen ab Oktober
Die Vorbereitungen für die Aufnahme des Zugbetriebes im Saale-Thüringen-Südharz-Netz (STS) durch Abellio Rail Mitteldeutschland laufen planmäßig. "Fünf Monate vor dem Betriebsstart Mitte Dezember haben bereits dreiviertel des künftig benötigten Personals für Fahrdienst, Leitstelle, Werkstatt und Kundenservice ihren Arbeitsvertrag bei uns unterschrieben. Für eine Reihe unserer neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufen schon die Schulungsprogramme", freut sich Dirk Ballerstein, Geschäftsführer von Abellio Rail Mitteldeutschland.
Auch die ersten elf Fahrzeuge vom Typ Talent 2, mit denen Abellio das 575 km lange STS-Netz betreiben wird, sind bereits ausgeliefert. Mit ihnen finden derzeit Test- und Schulungsfahrten statt.
Damit die Betriebsaufnahme im Dezember reibungslos vonstattengeht, haben sich Abellio Rail Mitteldeutschland und DB Regio Südost in Abstimmung mit der Nahverkehrsservice-gesellschaft Thüringen mbH (NVS) und der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) darauf verständigt, dass Abellio bereits ab Oktober einzelne Fahrten für DB Regio mit eigenen Fahrzeugen und eigenem Personal durchführen wird. Ab 5. Oktober werden daher auf den Strecken Erfurt - Sangerhausen, Nordhausen - Halle (Saale) und Nordhausen - Leinefelde - Heilbad Heiligenstadt bzw. Eichenberg Zugfahrten von DB Regio mit Triebwagen und Lokführern von Abellio erbracht. Auf einigen Zügen werden Kundenbetreuer von Abellio eingesetzt.
Mit dem vorzeitigen Einsatz kann Abellio Rail Mitteldeutschland Erfahrungen im Regel-betrieb sammeln und Lokführern einen nahtlosen Betriebsübergang ermöglichen. "Mit dem vereinbarten Vorlaufbetrieb im STS-Netz möchte DB Regio Südost im Interesse der Reisenden einen möglichst reibungslosen Betreiberwechsel unterstützen", erklärt Frank Klingenhöfer, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio Südost. Neben Personal aus anderen Unternehmen wird Abellio eine Reihe von DB-Mitarbeitern übernehmen.
Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 werden auch alle anderen Fahrgäste des insgesamt zehn Linien umfassenden Saale-Thüringen-Südharz-Netzes in den Genuss der neuen und komfortablen Abellio-Züge kommen.
In tariflicher Hinsicht bleibt alles, wie es heute ist. Sowohl im Vorlaufbetrieb ab Oktober als auch auf allen Linien, die ab Dezember von Abellio betrieben werden, gilt der bekannte Bahntarif mit all seinen Angeboten. Dies gilt auch für die Bahncard-Ermäßigungen und alle Sonderangebote wie beispielsweise Länder-Tickets, Schönes-Wochenende-Ticket und Hopper-Ticket. Ebenso gelten die Jobtickets für Mitarbeiter von Wirtschafts- und Dienstleistungsunternehmen und von Verwaltungen. Auf Fahrtstrecken innerhalb des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), des Verkehrsverbundes Mittelthüringen (VMT) und des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) gilt weiterhin der Tarif des jeweiligen Verbundes (Pressemeldung Abellio, 29.07.15).

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LOK Report

 

Museum, Veranstaltungen, Sonderfahrten, Kultur

RechteckDrei-Seenbahn in Hochschwarzwald


Am Samstag starteten die Sommerdampfzugfahrten auf der Drei-Seenbahn im Hochschwarzwald, leider bei wenig Sonne aber mit vielen Wolken und kräftigem und kühlem Wind. Bis ende August dampft es an den Wochenenden zwischen Titisee und Seebrugg. Gezogen wurden die Dampfzüge von der Tenderdampflok 86 333 des Vereins WTB (Harald Becker, 29.07.15).

RechteckDie RTM in Ouddorp - Erinnerungen an ein großes Schmalspurnetz




Ab 1878 entstand im Großraum Rotterdam ein umfangreiches Schmalspurbahn Netz auf Kapspur von 1067 mm. Zur besten Zeit wurden rund 150 Streckenkilometer von der Rotterdamsche Tramweg Maatschappij (RTM) befahren.
Nicht jede "Tramway" ist auch eine Straßenbahn. Der Begriff ist viel weiter und umfasst - auch im Englischen - leichte Eisenbahnen (Light Railways). So auch bei der RTM welche Zeit Ihrer Existenz nur mit Pferde-, Dampf- und Dieseltraktion betrieben wurde und wenig mit einer klassischen Straßenbahn gemeinsam hatte.
Die RTM wurde zur "Kultbahn" - war sie doch gleichbedeutend mit Sommer, Strand und Meer aber auch mit dem Pendlerverkehr zur Stadt Rotterdam. Am 14.2.1966 verkehrte der letzte Personenzug und 1978, nach genau 100 Jahren des Bestandes, wurde die Gesellschaft auf dem Altar der Liberalisierung im Autobusverkehr geopfert.
Den Freunden der Bahn gelang es nach Irrungen und Wirrungen in Ouddorp an der Niederländischen Nordseeküste eine 7 km Strecke mit angeschlossenem Museum zu errichten und zu betreiben. Dort kann man dieser einmaligen Lokalbahn nachspüren und sich der einmaligen Fahrzeugsammlung erfreuen.
Jedem Freund der kleinen Eisenbahnen sei ein Besuch anempfohlen - unvergessliche Eindrücke sind garantiert (Gunter Mackinger, 29.07.15).

RechteckTschechische T435.0554 nun im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg

Fotos Ralph Mildner.
Die Firma Railsystems RP aus Gotha ist seit 2012 bei den "Schwarzenberger Eisenbahn-tagen" mit ihrer betriebsfähigen Diesellok 107 018-4 vertreten, die dann im Erzgebirge stets noch mehrere Sonderzüge bespannte. In diesem Jahr brachte die Lok der Baureihe V75 im Mai eine nicht betriebsfähige, aber museal aufgearbeitete Schwestermaschine nach Schwarzenberg mit: T435.0554. Als Dauerleihgabe bleibt diese nun im dortigen Eisenbahnmuseum geschützt untergestellt.
In der DDR gab es einst mehrere Lokomotiven dieses Typs. Als in der 1949 gegründeten Republik nördlich der Tschechoslowakei Anfang der 1960er Jahre neue Rangierdiesellokomotiven benötigt wurden, um in die Jahre gekommene Dampfloks abzulösen und den Rangierbetrieb zu rationalisieren, half auch die Prager Firma ČKD (Českomoravská-Kolben-Daněk). Der Hersteller von Lokomotiven und Straßenbahnwagen lieferte 1961/62 zunächst 16 Loks der ČSD-Reihe T435 an verschiedene Werk- und Anschlussbahnen in der DDR. Später versuchte man, diese Lokomotiven auf wenige Betriebe zu konzentrieren, um ihre Unterhaltung zu vereinfachen. Im Jahr 1962 erhielten die Bahnbetriebswerke Leipzig Hbf Süd und Leipzig Hbf West 20 solche Diesellokomotiven werksneu, um vor allem die Dampflokomotiven der Baureihe 80 im Rangierdienst auf dem Leipziger Hbf abzulösen. Die DR reihte sie als Baureihe V75 in ihren Bestand ein, ab 1970 als Baureihe 107. Bis Anfang der 1980er Jahre standen die Loks auf den Leipziger Bahnhöfen ununterbrochen im Einsatz. Danach verdrängten sie schrittweise Lokomotiven der Baureihe 106.
Neben den beiden Leipziger Bahnbetriebswerken beheimatete die Einsatzstelle Eilenburg von 1977 bis Mitte der 1980er Jahre mehrere Lokomotiven der Baureihe 107 und nutzte sie außer im Rangierdienst auch für Nahgüterzüge, Übergaben sowie außerhalb der kalten Monate für Personenzugleistungen. Im Jahr 1986 hatte die DR dann ihre letzte Lok der Baureihe 107 ausgemustert, verschrottet oder an Betriebe als Werklok verkauft. Technisch gesehen bestand keine Abweichung zwischen der Werklok- und Reichsbahnvariante, lediglich die Nachrüstung mit Rangierfunk unterschied beide Versionen.
Bei der in Schwarzenberg hinterstellten T435.0554 handelte es sich um eine ehemalige Werklok, die ČKD 1961 an das tschechische Zementwerk in Radotín geliefert hatte. Dort war sie bis 1987 im Einsatz und wurde dann an den VEB Zementwerk Karsdorf verkauft, der sie als Werklok 001 einsetzte. Im Zuge der Übernahme der Anschlussbahn des Zementwerkes und deren Fahrzeuge durch die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft (KEG) gelangte die Lok 1991 in das Eigentum dieses deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmens. Die später abgestellte Diesellok bekam 1999 eine Hauptuntersuchung, um nach Ausweitung der KEG-Geschäfte deutschlandweit mit der Betriebsnummer 0701 für Arbeitszüge und Überführungen genutzt zu werden. Nach Insolvenz der KEG (im Jahre 2004) kam die Lok zur ARCO Transportation GmbH, die den Geschäftsbereich der Arbeitszugdienste übernommen hatte. Als 2010 auch diese Firma Insolvenz anmeldete, erwarb die Railsystems RP GmbH neben der ehemaligen V75 018 auch die T458.1513 (jetzige Bezeichnung 107 513-4) und die e hemalige T435.0554.
Letztere Diesellok arbeitete die Railsystems RP GmbH nur äußerlich auf und versetzte sie in ihren Anlieferungszustand mit rot-elfenbeinfarbener Lackierung als T435.0554 zurück. Die 1965 gebaute T458 wird aus Platzmangel in Gotha vorübergehend für ein Jahr in Schwarzenberg mit abgestellt. Sie befindet sich noch im letzten Betriebszustand in KEG-Lackierung und dient für die betriebsfähige 107 018-4 als Ersatzteilspender. Die ab 1965 ebenfalls von ČKD gelieferten Loks der Reihe T458 sind die verbesserten Nachfolger der Reihe T435 und ihr äußerlich ähnlich. Durch eine geänderte Übersetzung der Getriebe sind sie aber nicht nur für 60, sondern für 80 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Dazu sind diese Lokomotiven höher, länger, schwerer und haben einen größeren Tank. Sowohl in den T458 als auch T335 befinden sich je ein langsam laufender stehender 6-Zylinder-Reihenmotor mit maximal 750 U/min und einer Leistung von 552 kW bzw. 750 PS.
Da der VSE auf Exponate mit regionalem Bezug wert legt, kann gesagt werden, dass auf der böhmischen Seite des Erzgebirges ab Mitte der 1960er Jahre viele Jahre Lokomotiven derReihe T435 auf den Strecken von Komotau nach Weipert sowie von Karlsbad nach Breitenbach (Potůčky) den Güterverkehr prägten. Zwischen 1945 und 1992 gab es keinen planmäßigen Schienenverkehr zwischen Breitenbach und Johanngeorgenstadt. Da jedoch aus strategischen Gründen das Gleis liegenblieb und befahrbar unterhalten wurde, erfolgten im Winter durchaus Fahrten bis Schwarzenberg, um dort die Schneeräumtechnik auf der Drehscheibe zu wenden. Einen Bildbeweis mit einer Schneeschleuder der Bauart Henschel und einer Diesellok der Reihe T444 existiert in der Fotosammlung des VSE. Des Weiteren hofft der Verein mit dem neuen Exponat auch die Attraktivität des Museums für Besucher aus der Tschechischen Republik zu steigern.
Am 29. August 2015 findet nach längerer Pause wieder eine grenzüberschreitende VSE-Sonderfahrt statt. Es geht mit der 107 018-4 von Aue über Schwarzenberg, Johanngeorgenstadt, Horní Blatná (Bergstadt Platten) und Nejdek (Neudeck) nach Karlsbad, wo für die Fahrgäste verschiedene touristische Ziele zu Wahl stehen 8Pressemitteilung VSE e.V.; www.vse-eisenbahnmuseum-schwarzenberg.de, 29.07.15).

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Mit der Kamera notiert

RechteckBerlin


Am 28.07.15 fanden die ersten Probefahrten der vier BVG-Busse 1685-1688 vom Typ Solaris Urbino 12 electric auf der Linie 204 vom Bf. Zoo/Hertzallee zum Bf. Berlin Südkreuz-Hildegard-Knef-Platz noch ohne Fahrgäste statt. Ab September 2015 sind die Fahrzeuge im Fahrgasteinsatz. In Südkreuz auf dem Hildegard-Knef-Platz errichtete die DBAG eine Ladestation namens Mirco Smart Grid Station, die auch mit Solarenergie betrieben wird. Die Bombardier Primove-Technik läuft über Induktion (Thomas Splittgerber, 29.07.15).

RechteckErfurt 1


Am 25. und 26.07.2015 bespannte die EGP 109 030-7 ab/bis Erfurt Hbf den "Störtebeker-Express" von Ilmenau nach Bergen auf Rügen. Dazu erreichte die Lok als Tfzf 92246 aus Wittenberge bereits am 24.07. über Sangerhausen die thüringische Landeshauptstadt. Nach der Ankunft in Erfurt Ost wurde sie von der EB 22 "Lisa 2" zum übernachten an das Bw der Erfurter Bahn gezogen.
Wegen einer Sperrung des Rügendamms erreichte sie am 26.07. mit dem DPE 68901 (Bergen auf Rügen - Ilmenau) Erfurt erst wieder mit einer Verspätung von ca. 4,5 Stunden. Ab Erfurt Hbf setzte sich die 213 334 der Rennsteigbahn vor den Sonderzug, um ihn über den ab Neudietendorf fahrdrahtlosen Abschnitt zurück nach Ilmenau zu bringen (Frank Thomas, www.unstrutbahn.de, 29.07.15).

RechteckErfurt 2

Der DB-Bahnhof Erfurt hebt sich aus der Masse oft ungepflegter DB-Stationen deutlich ab und ist auch schon entsprechend ausgezeichnet worden, wie eine Plakette am Gebäude zeigt.
Sehr gut angebunden ist die meterspurige Erfurter Straßenbahn, die unter dem Bahnhof hält und mit modernen Fahrzeugen einen hervorragenden Anschluss in die Stadt bietet. Hier ein Zug bei der Ausfahrt von der überdachten Station in Richtung Stadt und ein entgegenkommender aus der Stadt. Aufnahmen vom 27. Juli (WR, 29.07.15).

RechteckFußballbund ÖFB am Railjet


Am 25. Juli war der für den Österreichischen Fußballbund ÖFB werbende Railjet in Tirol zu Gast, hier als RJ 869 Innsbruck - Wien in Innsbruck Hbf. Ähnlich wie beim Railjet für den Österreichischen Schiverband haben sich auch hier mehrere Werbepartner (Mitzahler) zusammengefunden, darunter auch ein Sportwettenanbieter (Toto) und ein Glücksspielanbieter (Lotto). Entsprechend könnte deren Werbebotschaft dieses Jahr bei Modellbahnerfamilien unter dem Weihnachtsbaum herausleuchten (GK, 29.07.15).

RechteckKöln: Die Lust oder Last mit den Schlössern

Kölns Hohenzollernbrücke mit den Fußwegen neben der viergleisigen Bahnstrecke ist berühmt oder auch berüchtigt, je nachdem, wie man eingestellt ist, für seine in die Hunderttausende gehende Schlösser, mit denen sich toll Verliebte, Verlobte und sonst Verknallte mit Namen und kurzen Ewigkeitssprüchen einen Platz zwischen Dom und Rhein sichern, möglichst für alle Zeiten.
Und täglich kommen neue Utensilien hinzu und werden natürlich für die Nachkommen dokumentarisch festgehaltenl. Es ist nicht hinterlegt, ob die Hohenzollernbrücke die erste war, die dergestallt ge- oder missbraucht wurde. Auf jeden Fall ist sie nach der Pont des Arts in Paris wahrscheinlich die Bekannteste und hat Nachahmer in der ganzen Republik gefunden. Dazu wandern täglich bunte Gestalten über den Fußweg und gesellen sich auch ohne Schloss gern auf ein Foto, was nicht zuletzt von weltreisenden Japanern und Chinesen auf Europatourne, Germany in three Daus, Neuschwanstein, Heidelberg und eben Köln, sehr goutiert wird.
Da bleibt für den echten Eisenbahnfan oft nicht mehr viel, obwohl die Brücke fototechnisch wirklich einiges hergibt und von Thalys über den ICE bis hinab zur simplen DB-S-Bahn aber auch den bunten Privaten schon etwas hermacht. Meine Bilder vom 25. Juli zeigen das Leben mit Schlössern zwischen Hauptbahnhof und Brücke (WR, 29.07.15).

RechteckWerdau

Abgestellt mit einem Gleisbauzug der Firma MGW Gleis-und Weichenbau GmbH Berlin stehen am Morgen des 24.7.2015 die Loks 204 016(204 314) der Press und 204 425(203 220) der MTEG im Bahnhof Werdau (Daniel Wolf, 29.07.15).

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Europa

RechteckItalien: Einvernehmensprotokoll zum Eisenbahntunnel Stilfser Joch unterzeichnet

LH Kompatscher mit dem Präsidenten der Region Lombardei, Maroni, bei der Unterzeichnung des Einvernehmensprotokolls heute am Stilfser Joch - Foto: LPA/mb.
Landeshauptmann Arno Kompatscher hat am 27. Juli im Rahmen einer Tagung der Region Lombardei gemeinsam mit deren Präsidenten, Roberto Maroni, das Einvernehmensprotokoll zur Aufwertung des Gebiets am Stilfser Joch unterzeichnet. Die Machbarkeit einer Tunnelverbindung unter dem Joch soll geprüft werden. "Für uns ist aus heutiger Sicht nur ein Eisenbahntunnel denkbar", so Kompatscher.
Die Aufwertung durch eine nachhaltige Entwicklung, Qualitätstourismus und eine wirtschaftliche Aufwertung unter Wahrung des Umweltschutzes: Das sind die Ziele, die im Einvernehmensprotokoll festgehalten sind. Es wurde im Rahmen einer Tagung am Stilfser Joch unterzeichnet. Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich die Bedeutung des Stilfser Jochs. "Eine Zusammenarbeit bei der Führung des Parks wird jetzt noch besser funktionieren als vorher, weil sie nicht vom Staat auferlegt ist, sondern von den betreffenden Gebieten gewollt", sagte er bei der Tagung mit Roberto Maroni, dem Landeshauptmann des Trentino, Ugo Rossi, Ugo Parolo Untersekretär der Lombardei, und dem Präsidenten des Grenzgemeindenfonds, Roger De Menech.
Gemeinsame Strategien, auch für die Nutzung des Grenzgemeindenfonds, seien wichtig für die Weiterentwicklung des Gebiets, von denen nicht nur einzelne Gemeinden profitieren könnten, sondern die gesamte Region. Dies sei durch die neue Verwaltung des Grenzgemeindenfonds einfacher geworden. 80 Millionen Euro jährlich stehen zur Verfügung, die zum Teil für die Vorhaben einzelner Gemeinden genutzt werden; aber über 55,5 Millionen jährlich stünden für übergemeindliche und überregionale Projekte zur Verfügung, rechnete Roger de Menech vor: "Das ist eine große Chance, verantwortungsvoll und autonom für die Entwicklung eines Gebiets zu sorgen."
Ein weiteres Anliegen ist es, die Stilfser-Joch-Straße als technisches UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, kündigten Kompatscher und Maroni an.Das heutige Treffen sei von großer Bedeutung, weil es auch im Hinblick auf den Start der Makroregion EUSALP im kommenden Jahr wegweisend für die Zukunft sei, meinte Maroni. Ab 1. Jänner 2016 werden acht italienische und insgesamt 48 Regionen innerhalb des Alpenbogens in einer Makroregion für gemeinsame Ziele und die gemeinsame Nutzung von EU-Geldern zusammenarbeiten
Teil des Einvernehmensprotokolls ist eine Machbarkeitsstudie für eine dauerhafte und ganzjährig nutzbare Verbindung, um das Stilfser Joch aufzuwerten. "Entscheidungen werden nur mit Einbeziehung der Gemeinden und Zuständigen vor Ort passieren", erklärte Roberto Maroni. Deshalb werde eine Zugverbindung angestrebt, kein Straßentunnel. "Wir haben bereits eine Weiterverbindung nach Bormio angedacht", so Maroni. "Wir denken auf jeden Fall an eine Zugverbindung und ziehen diese Möglichkeit vor", unterstrich auch Landeshauptmann Kompatscher. Es gehe in der Studie vor allem um die technische Machbarkeit und um die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt auszuloten, erklärte der Landeshauptmann (Pressemeldung Autonome Provinz Bozen - Südtirol, GK, 29.07.15).

RechteckÖsterreich: ÖBB-Antrag auf Änderung für den "Semmering-Basistunnel neu"

ÖBB-Zug am Viadukt über die Kalte Rinne (aus dem Buch „Weltkulturerbe Semmeringbahn“; Alliance For Nature).
Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Projekt „Semmering-Basistunnel neu“ (SBTn) erklärte ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern erst vorige Woche gegenüber dem ORF: "„Wir haben insgesamt 10.000 Seiten Text vorgelegt, 700 m2 Pläne, 32 externe Gutachten – das ist das bestgeprüfte Infrastrukturprojekt Österreichs, und wir glauben, da fährt jetzt wirklich sprichwörtlich die Eisenbahn drüber“".
„Starker Tobak“ des Herrn Kern, wenn man bedenkt, dass die ÖBB nun einen Antrag auf Genehmigung der Änderung der erteilten Genehmigung für das Vorhaben „Semmering-Basistunnel neu“ ans Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) gestellt hat. Es geht um Bauhilfsmaßnahmen im steirischen Bauabschnitt des SBTn.
Das BMVIT hat per Kundmachung über 100 Parteien hievon verständigt. Diese können nun bis 31. Juli eine Stellungnahme abgeben.
Nachdem sich die Parteien im UVP-Verfahren ohnedies schon über Jahre hindurch mit tausenden von Seiten und unzähligen Planunterlagen auseinandersetzen mussten, fühlen sich so manche von ihnen nun schon mehr als gefrotzelt. „Denn wenn der umstrittene Semmering-Basistunnel tatsächlich das bestgeprüfte Infrastrukturprojekt Österreichs wäre, weshalb stellen dann die ÖBB innerhalb kürzester Zeit nach der Genehmigung einen Antrag auf Änderung?“, fragt man sich bei den Tunnelgegnern.
Die Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“ (AFN), die vor drei Wochen Revision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) bzgl. SBTn eingebracht hat, hat ihre Stellungnahme samt Einwendungen am 28.07.15 dem BMVIT zugeleitet. Sie bemängelt u.a., dass im Umweltverträglichkeitsgutachten „mehrere der genannten zwingenden Maßnahmen unbestimmt sind und ohne nähere Präzisierung nicht durchgesetzt werden können“. Zusätzlich beanstanden die AFN-Sachverständigen, dass die UVP-Sachverständigen nicht nur Sach- sondern auch Rechtsfragen zu beantworten hatten, was ihnen rechtlich aber nicht zustünde (Pressemeldung Alliance for Nature, 29.07.15).

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